Finca mieten auf Mallorca (Langzeitmiete).

Eine Finca auf Mallorca mieten: 10 hilfreiche Tips

Kleine Finca in der Inselmitte
Kleine idyllische Neubau-Finca in der Inselmitte

Wenn Sie eine Finca mieten wollen (Langzeitmiete), sollten Sie die folgenden 10 Punkte vor der Unterzeichnung des Mietvertrages beachtet haben um Fehler zu vermeiden und Irrtümer auszuschließen.

1. Lernen Sie den Eigentümer der Finca kennen

Ein Mietverhältnis ist eine langfristige Angelegenheit mit Verpflichtungen und Rechten auf beiden Seiten während der gesamten Dauer des Mietvertrags. Daher sollten Sie sich ein realistisches Bild Ihres Vermieters machen und dabei unbedingt auf Ihr persönliches Gefühl und Ihre Menschenkenntnis vertrauen. Sollten Sie beim ersten Treffen das Bauchgefühl haben, der Vermieter verstellt sich, ist nicht ganz "koscher", "link" und nicht vertrauenswürdig dann überlegen Sie sich das ganze noch einmal. Zwar haben Sie das Recht, ab Vertragsdatum volle 3 Jahre in der Finca zu wohnen. Ab und an kommt es aber besonders beim Mieten einer Finca vor, dass der Vermieter nach einem Jahr Eigenbedarf anmeldet und der Mieter ausziehen muss - selbstverständlich nachdem dieser enthusiastisch entrümpelt, teilrenoviert und den Garten in Ordnung gebracht hat. Wir wollen Ihnen hier nichts madig machen, kennen aber solche vereinzelten Fälle durchaus - und jeder Betroffene meinte im Nachhinein dass er am Anfang besser auf seinen Instinkt hätte hören sollen. Haben Sie einen guten Eindruck von Ihrem Vermieter sollte es nicht die geringsten Probleme geben.

2. Informieren Sie sich über Ihre Rechte und Pflichten

Genau wie ein Vermieter sollten Sie bei der Langzeitmiete einer Finca die gesetzlichen Regelungen kennen wie sie im spanischen Mietgesetz (LAU - ley de arrendamientos urbanos) festgelegt sind. Glauben sie nicht unbedingt Ihren Freunden und Kollegen - selbst wenn diese schon "lange" auf Mallorca wohnen und sich als Mallorca-Kenner bezeichnen. Über Rechte und Pflichten beim Mieten einer Finca sind viele Unwahrheiten und falsche Vorstellungen im Umlauf - auch unter den Spaniern und Mallorquinern. Vergewissern Sie sich, dass sowohl Sie als auch der Vermieter über die zugrunde liegenden gesetzlichen Regelungen Bescheid wissen. Es schadet nicht, alle diese Regelungen im Mietvertrag noch einmal aufzuführen.

3. Besondere Pflichten als Finca-Mieter

Neben dem Bezahlen des Mietvertrags hat der Mieter die Verpflichtung die Finca "in Schuss" zu halten und zu pflegen. Er muss sich auch um Reparaturen und Mängel kümmern (vor allem natürlich, wenn Sie durch den Mieter verursacht wurden). Eine gemietete Finca ist also nicht wie ein Aufenthalt in einem Landhotel: Schäden die man verursacht oder die wegen der eigenen Nachlässigkeit entstehen müssen behoben und selbst bezahlt werden. Bei wesentlichen Verbesserungen der Finca ist der Vermieter aber meistens bereit wenn nicht die gesamten Kosten zu übernehmen, so doch zumindest die Hälfte der Investition mit zu tragen.

Besonders bei einer Finca können vertraglich weitere, spezielle Pflichten für den Mieter festgelegt sein wie beispielsweise die Pflege des Pools, des Gartens oder der Baumbestände. Viele grössere Fincas halten auch Nutztiere die versorgt werden müssen. Vergewissern Sie sich, dass Sie all diesen zusätzlichen Verpflichtungen auch nachkommen können.

4. Ist der Vermieter überhaupt Eigentümer der Finca?

Bevor Sie den Mietvertrag unterzeichnen sollten Sie sicherstellen, dass der Vermieter auch wirklich befugt ist Ihnen die Finca zu vermieten. Falls Sie etwa den Eigentümer selbst nicht kennen und mit einem Vermittler verhandeln der auch den Mietvertrag unterschreiben wird, vergewissern Sie sich über dessen Berechtigung. Selbst wenn es der Sohn oder die Tochter des Besitzers sein sollte.

Wer der Besitzer tatsächlich ist finden Sie durch eine Anfrage beim spanischen Eigentumsregister, dem "Registro de la Propiedad" heraus. Der Aufschluss gebende Auszug heißt "Nota simple informativa" und kann über Anwälte, Notare oder Immobilienmakler angefordert werden. Falls Sie Spanisch sprechen können Sie die Nota Simple auch im Internet unter www.registradores.org für etwa € 10.- beziehen. Neben dem wahren Besitzer steht in diesem Auszug auch ob die Finca finanziell belastet ist, was sich auf das Mieten auswirken könnte (Hypotheken, Pfändungen etc.).

5. Unterschreiben und bezahlen Sie nur, was Sie auch verstehen.

 Auf Mallorca sind nur spanische Dokumente rechtskräftig also sind Mietverträge in deutscher Sprache tatsächlich nichtig. Falls Sie selbst nicht oder nicht genug Spanisch sprechen und lesen können lassen sie sich von jemandem begleiten der dies gut kann.

6. Wer bezahlt den Immobilienmakler?

Wenn Sie eine Finca über eine Immobilienagentur gefunden haben seinen Sie sich im Klaren über die damit für Sie anfallenden Kosten. In der Regel bezahlt nämlich der Mieter die Aufwendungen der Immobilienagentur. Beim Mieten einer Finca auf Mallorca liegen die Provisionen der seriösen Immobilienmakler zwischen eineinhalb und zwei Monatsmieten.

Vermeiden Sie  sogenannten "Handymakler & -innen", die sich nur nebenbei ein paar Zusatz-Brötchen verdienen wollen, und auch diejenigen Immobilienmakler bei denen Sie das Gefühl haben dass Sie nur schnellst möglich die Vermietung über die Bühne bringen wollen. Denn diese bieten Ihnen weder solide und aktuelle Informationen noch unterstützen sie Sie nach der Unterzeichnung des Mietvertrags in wichtigen Belangen wie sie in der Anfangszeit vorkommen (Etwa bei Behördengängen oder der Schaltung des Internetzugangs).

7. Schauen Sie bei der Finca-Besichtigung genau hin

Besonders beim Mieten einer Finca ist selbstverständlich, dass man sich nicht auf Fotos verlassen kann sondern die Finca besichtigen muss. Tun Sie dies am besten mit dem Eigentümer und suchen Sie nach Beschädigungen und Dingen die renoviert werden müssen. Gibt es Dinge die Sie ändern, renovieren oder entfernen lassen wollen teilen Sie dies dem Vermieter mit und machen Sie es zu einer im Vertrag aufgeführten Bedingung die bei Vertragszeichung erfüllt sein muss.

8. Verhandeln Sie mit dem Finca-Vermieter

Es liegt in der Natur des Menschen möglichst viel aus seinem Besitz oder bei Geschäften im Allgemeinen herausschlagen zu wollen. So sind natürlich auch die monatlichen Mietkosten erstmal so hoch wie möglich angesetzt und nur seriöse Immobilienagenturen sind bemüht, einen marktgerechten Preis mit dem Vermieter zu verhandeln. In den meisten Fällen gibt es also Spielraum nach unten - der Vermieter ist auch nur ein Mensch.

Aber nicht nur die Mietkosten sind verhandelbar. Das Gesetz lässt durchaus Freiheiten bei der individuellen Vertragsregelung wie beispielsweise Festlegung von Entschädigungen im Falle eines Rücktritts, Verteilung der Kosten, Steuerfragen oder Bedingungen bei der Rückgabe der Finca.

9. Halten sie alle Vereinbarungen im Mietvertrag schriftlich fest

Achten Sie darauf, dass wirklich alles was Sie mit dem Vermieter verhandelt haben auch im Mietvertrag eingetragen ist. Was Sie Schwarz auf Weis besitzen können Sie getrost in die Finca tragen.

10. Konsultieren Sie in Zweifelsfällen einen spezialisierten Anwalt

Wenn vor dem Unterzeichen noch Zweifel oder Unklarheiten bestehen ziehen Sie am besten einen Anwalt zu Rate. In solchen Fällen ist juristischer Beistand nicht teuer und Sie wissen genau, auf was Sie sich einlassen und können zukünftige Probleme von vornherein ausschließen.

Bei der Langzeitmiete einer Finca, die monatlich ja auch einen nicht unerheblichen Betrag kostet und schließlich zum Zentrum Ihres Lebens wird ist es natürlich auch sinnvoll einen individuellen Mietvertrag von einem Anwalt aufsetzen zu lassen. So können Sie Ihre eigenen Interessen innerhalb des gesetzlichen Rahmens absichern. Dies ist auf jeden Fall besser als etwa einen Mietvertrag aus dem Internet herunterzuladen, wie es besonders beim mieten von Wohnungen so üblich ist.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen durch diese Ratschläge helfen oder Ihren Blick auf Aspekte lenken die Sie bisher nicht bedacht haben. Es ist immer besser vorzusorgen als im Nachhinein vor Problemen zu stehen die einen davon abhalten können, das traumhafte Leben in einer Finca auf Mallorca zu genießen - "mejor prevenir que curar".

Autor: Andrea Groblin